01
Welt minus eins (The World Minus One)
▶
Das Konzept „Welt minus eins“ markiert die endgültige Abkehr vom amerikanischen Exzeptionalismus und den Übergang in ein chaotisches Interregnum. Die globale Sicherheitsarchitektur stützt sich nicht länger auf Garantien aus Washington, wodurch ein Vakuum entsteht, das von regionalen Allianzen ohne ein einheitliches Machtzentrum gefüllt wird. Für die Märkte bedeutet dies einen Anstieg der geopolitischen Risikoprämie: Traditionelle sichere Häfen (Dollar, Treasuries) könnten angesichts der Fragmentierung der Handelswege an Wirksamkeit verlieren. Mittelmächten eröffnet sich ein Zeitfenster für diplomatische Arbitrage, doch das Fehlen eines „Weltpolizisten“ erhöht die Wahrscheinlichkeit lokaler Ressourcenkonflikte drastisch. Das institutionelle Risiko liegt in der Degradierung internationaler Organisationen (UN, WTO), die ohne amerikanische Führung handlungsunfähig werden. Investoren sollten sich auf Volatilität in Schwellenländern einstellen, wo politische Instabilität nicht mehr durch externen Druck eingedämmt wird. Langfristig führt dies zur Bildung neuer Währungszonen und zur Neuausrichtung von Lieferketten unter Umgehung der US-Einflusszonen.
02
Chinas militärische Überlegenheit (China's Military Is Now Leading)
▶
Die technologische Parität und in einigen Segmenten sogar die Überlegenheit der Volksbefreiungsarmee gegenüber dem Pentagon verändert das strategische Gleichgewicht im indopazifischen Raum. Peking ist vom Kopieren zur Innovation übergegangen und entwickelt Systeme (Hyperschall, Drohnen, KI), die die US-Präsenz in der Region verwundbar und wirtschaftlich unrentabel machen. Die verborgene Logik liegt in der Strategie der „Zugangsverweigerung“ (A2/AD), die amerikanische Flugzeugträgergruppen ohne direkte Konfrontation entwertet. Dies ist ein Signal an Taiwans Eliten und Wirtschaft: US-Sicherheitsgarantien werden technisch undurchführbar. Für den globalen militärisch-industriellen Komplex bedeutet dies den Beginn einer neuen Runde des Wettrüstens mit Schwerpunkt auf autonomen Systemen und weltraumgestützten Waffen. Das Risiko für die Technologiemärkte liegt in einer wahrscheinlichen Verschärfung der Exportkontrollen und dem erzwungenen Abbruch von Halbleiter-Lieferketten. Geopolitisch drängt dies US-Verbündete (Japan, Australien) zu einer forcierten Militarisierung und der Suche nach einem eigenen nuklearen Schutzschirm.
03
Das neue nukleare Zeitalter (The New Nuclear Age)
▶
Die Welt steht an der Schwelle einer unkontrollierten Welle der nuklearen Verbreitung, ausgelöst durch die Erosion der amerikanischen Sicherheitsgarantien. Die Verbündeten Washingtons, die dessen Unentschlossenheit und interne Instabilität beobachten, beginnen, ein eigenes Atomwaffenarsenal als einzige Garantie ihrer Souveränität zu betrachten. Dies zerstört das Nichtverbreitungsregime (NVV) und schafft Risiken für das Auftauchen von Atomwaffen in Staaten mit instabilen Regimen. Für die Energiemärkte ist dies ein Signal für eine Renaissance der Atomkraft, da die Urananreicherung zu einer Frage der nationalen Sicherheit wird, nicht nur der Stromerzeugung. Die latente Bedrohung liegt in der erhöhten Wahrscheinlichkeit eines „versehentlichen“ Atomkriegs aufgrund von Fehlern in den Frühwarnsystemen neuer Atommächte. Dies verändert die Bewertung von Länderrisiken grundlegend: Das Vorhandensein eines Atomprogramms wird zu einem Faktor der Investitionsattraktivität (als Garantie für stabile Grenzen), aber gleichzeitig auch zum Anlass für harte Sanktionen.
04
Der saudisch-pakistanische Pakt (The Saudi-Pakistani Pact and South Asia)
▶
Das neue Verteidigungsabkommen zwischen Riad und Islamabad verändert das Machtgleichgewicht im Nahen Osten und in Südasien. Saudi-Arabien kauft sich faktisch unter den „nuklearen Schirm“ Pakistans im Austausch für Finanzhilfen und sichert sich so ohne Beteiligung der USA gegen die iranische Bedrohung ab. Für Pakistan ist dies ein Weg, den Staatsbankrott abzuwenden und seine Position in der Konfrontation mit Indien zu stärken, was die Spannungen in Kaschmir erhöht. Indien wird Gegenmaßnahmen ergreifen müssen, möglicherweise durch eine Vertiefung der Beziehungen zu Israel oder eine Überarbeitung seiner Nukleardoktrin. Für die Ölmärkte ist dies ein positives Signal der Stabilität am Golf, birgt aber das Risiko, Pakistan in Nahostkonflikte hineinzuziehen. Der Deal demonstriert den schwindenden Einfluss der USA in der Region, wo Schlüsselakteure nun direkte Absprachen bevorzugen. Dies schafft die Voraussetzungen für die Bildung eines neuen islamischen militärisch-politischen Blocks, der unabhängig vom Westen agiert.
05
Asien hat im Handel zu viel gegeben (Asia Gave Too Much on Trade)
▶
Die Handelspolitik der Trump-Administration zwingt asiatische Länder zu knebelartigen Deals, die Investitionen in die US-Wirtschaft und die spiegelbildliche Anwendung von US-Sanktionen gegen China fordern. Die ASEAN-Länder, Japan und Südkorea sind gezwungen, ihre wirtschaftliche Souveränität zu opfern, um den Zugang zum US-Markt zu erhalten. Dies schafft einen gefährlichen Präzedenzfall: Handelsabkommen werden zum Instrument externer Steuerung der Innenpolitik von Partnern. Für globale Konzerne bedeutet dies eine Fragmentierung des Geschäfts: Gleichzeitig auf dem chinesischen und amerikanischen Markt tätig zu sein, wird juristisch unmöglich. Das Risiko besteht darin, dass dieser Druck schwankende asiatische Länder in den Einflussbereich Pekings treiben könnte, das flexiblere Bedingungen anbietet. Kurzfristig stimuliert dies den Kapitalzufluss in die USA, untergräbt aber strategisch das Vertrauen in den Dollar und die US-Jurisdiktion.